Vom Zwang zum Ehrenamt in der Piratenpartei

So isses jetzt

Ämter in der Piratenpartei sind unbezahlt. Neben eines immensen Arbeitspensums wird erwartet, dass Spesen etc. gespendet werden. Gleichzeitig werden die Menschen, die in Ämter gewählt worden, gleich nach der Wahl für alles, was schief läuft, verantwortlich gemacht, zum Rücktritt aufgefordert und überhaupt als machtgeile Karrieristen beschimpft. Zufrieden ist niemand – nicht der amtsinhabende Mensch, der dachte, für alle unter persönlichen Opfern gestalten zu können, noch die Basis, die sich das alles ganz anders vorgestellt hat.
Nach einer gewissen Zeit ist dann wieder jemand verschlissen, resigniert oder einfach kaputtgespielt.

Wer stellt sich denn auf? Zunächst nicht zwangsläufig die, die am fähigsten im avisierten Amt wären. Möglicherweise müssen die ihren Lebensunterhalt verdienen oder der Arbeitsagentur Rechenschaft über den Einsatz ihrer Arbeitskraft abgeben. Es bleiben die, die genügend Geld und Zeit haben oder die glauben, die Doppelbelastung unter einen Hut zu bringen. Wenn sich dann die persönliche Situation ändert oder mensch merkt, sich verschätzt zu haben, ist das Geschrei auf beiden Seiten groß.

Flashback

Ich habe Ähnliches schon während meiner Studentenzeit erlebt: da gab es politische Aktionen, Streiks, Informationsveranstaltungen, Arbeitsgemeinschaften und vieles mehr. Es gab Studierende, die sich engagierten, und andere, die einfach studierten und sich um nichts anderes kümmerten. Die letzteren wurden fertig, bekamen Jobs, gründeten Famileien und sind inzwischen im Mittelstand angekommen. Die Zweiten hatten entweder Geld von den Eltern oder merkten irgendwann, dass ihnen noch Scheine fehlten, das BaFöG auslief, sie jobben mussten. Viele von denen studierten nicht fertig, leben immer noch in prekären Verhältnissen oder mussten sich unter Wert auf dem Arbeitsmarkt verkaufen.

Und nu?

Niemand kümmerte sich damals an der Uni und niemand kümmert sich heute bei den Piraten um die wirtschaftliche Absicherung von politisch Aktiven. Damit wird politischer Aktivismus ein Privileg derer, die ihn sich leisten können, oder die bereit sind, ihre Zukunftsperspektive für die Idee zu opfern. Das ist weder demokratisch noch führt es dazu, dass die Menschen den Job übernehmen, die am Besten geeignet wären.

Wert der Arbeit

Politische Arbeit, Gremienarbeit, Ämterarbeit ist wertvoll. Wir müssen damit aufhören, unsere wertvollsten und fähigsten Mitstreiter auszubeuten. Niemand ist ein schlechter Mensch oder geldgeil, wenn die geleistete Arbeit einen Lebensunterhalt ermöglichen soll. Da wir das bedingungslose Grundeinkommen noch nicht haben, sind wir alle darauf angewiesen, unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir sollten die Menschen, die für uns Ämter und Gremien am Laufen halten, dafür bezahlen. Dann dürfen wir auch von Ihnen Rechenschaft über die geleistete Arbeit verlangen. Und wer ein Amt und Geld hat, darf gerne sein Honorar spenden – nur müssen sollte das niemand.

5 Gedanken zu „Vom Zwang zum Ehrenamt in der Piratenpartei

  1. auch eine Partei sollte nicht nur in ihren Zielen, sondern auch in ihren inneren Strukturen transparent und vorbildlich sein,
    das wäre auch eine Möglichkeit Zukunftsfähig zu sein und zu werden.

    Gruß

    Roland M.

  2. Für eine Idee kämpfen heute die wenigsten. Der Alltag lässt es meistens einfach nicht zu, da man meistens mit der Beschaffung von Geld beschäftigt ist.

  3. An und Für Sich hätte ich gern die Piraten als Opposition… das erst mal an Erste Stelle gestellt.
    Doch die inneren Strukturen sowie die Transparenz und Seriösität der Partei ist dermaßen anfechtbar, dass man sie kaum ernst nehmen kann.
    Finde es gut, das es nochmal jemand anspricht!

    Grüße Vojta

  4. Die Piraten sind einfach über weite Strecken eine schlecht kopierte Linke. Nicht nur personell unausgegoren, sondern auch thematisch. Ein BGE wird es niemals geben, weil die Menschen es niemals in ihren Kopf rein kriegen werden. Dann unterstütze ich lieber die Linke, an der mich lediglich der Ossi-Mief stört.

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