Sprache als Hammer – Die Verantwortung der Medien gegen Ausgrenzung

Illustration 3Am 25.10.2016 beschwerte sich die Mutter eines behinderten Kindes bei pro7 über die Verwendung des Hashtags #gastoderspast auf Twitter für ein Talkformat des Senders. Statt einer Entschuldigung wurden sie und ihr Kind vom Sender beleidigt und beschimpft  Weitere Kommunikationsversuche von ihr und anderen führten zu einem Block auf Twitter. Weitere Accounts, die sich solidarisierten, wurden geblockt. Nachlesen kann mensch das Ganze ausführlich im Blog von @freehippiegirl:

https://freehippiegirl.wordpress.com/2016/10/28/bist-du-behindert-du-spast/ .

Über die konkrete Situation hinaus hat das Ganze weitere Folgen:

  • Der Hashtag stachelt Behindertenfeindlichkeit an und verleitet Internetuser dazu
  • ProSieben nutzt vorhandenen Ableismus in der Gesellschaft, um dem Zuschauer eine Freakshow zu servieren und daran zu verdienen

dscf5134_500Ist das nun ein “Ausrutscher” eines quotengeilen Medienkonzerns oder Teil eines größeren Ganzen, einer Kampagne gegen Political Correctness und diskriminierungsfreie Sprache? In bestimmten Soziolekten gilt zum Beispiel das Wort “schwul” als Bezeichnung für Negatives [weitere Beispiele], Begriffe und Bezeichnungen für aus der Norm fallende menschliche Erscheinungsformen werden abwertend und diffamierend angewendet und diskreditieren damit homosexuell lebende, behinderte oder neurodiverse Menschen.

Gegen die These vom Ausrutscher und Einzelfall spricht, dass in der letzten “Verstehen Sie Spaß?”-Sendung diesmal die ARD ähnlich unsensibel Blackfacing betrieben hat. Für einen öffentlich-rechtlichen gebührenfinanzierten Sender sollte die Messlatte deutlich höher liegen, aber sowohl die Sache selbst als auch die verharmlosend-banale Reaktion zeigt einen erschreckenden Mangel an Sensibilität der Gesellschaft oder mindestens einer Branche, deren Existenz von der Aufmerksamkeit des Publikums abhängt.

Beschrieben findet man den Vorgang unter http://www.gmx.net/magazine/unterhaltung/tv-film/rassismus-besten-sendezeit-guido-cantz-blackfacing-verstehen-spass-31981926.

Ein Betroffener erklärt hier: http://uebermedien.de/9338/warum-ich-ueber-den-schwarzen-mann-als-boese-ueberraschung-nicht-lachen-kann/, warum das ein Problem ist.

Gerade Medien tragen aufgrund ihrer meinungsmachenden und multiplikatorischen Funktion eine große Verantwortung in dieser Frage, und mensch kann mit Recht und Billigkeit einen sensiblen Umgang mit Fragen von Diskriminierung. Beleidigung und Diffamierung erwarten. Gar nicht sein darf, dass Beschwerden zum Anlass für weitere Beleidigungen genommen werden und die Diskussion abgeblockt wird.

Hier sind wir alle als Zivilgesellschaft gefordert, Sprachverrohung und damit einhergehendem Denken Einhalt zu gebieten und solidarisch zu den Betroffenen zu stehen.

Vielen Dank an @_tsukino_usako für Inspiration und Recherche.

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